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Age Report 2004 |
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Der folgende Artikel ist im Age Report 2004 erschienen:
Umsorgt - bis die Lebensflamme erlischt In der Zürcher Pflegewohnung "Am Bach" leben sieben pflegebedürftige Betagte. Fast so normal wie zuhause und doch rund um die Uhr umsorgt. Neben Herrn Müller sitzt Frau Keller. Es geht auf Ostern zu. Eine Betreuerin zeigt Frau Keller, wie man mit Pinsel und Eierfarbe umgeht. Das Leben in der Wohngruppe gefällt der 83jährigen Frau. So spät noch zu einer Art Familie zu kommen, findet sie wunderbar. Vor ihrem Einzug hatte Frau Keller in einer benachbarten Alterswohnung gelebt, bis es wegen verschiedenen Stürzen und ihrer Demenz zu gefährlich wurde. Frau Pfister, mit 99 die älteste Bewohnerin, hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen. Hier fühlt sie sich fast wie zuhause - auch, weil sie die meisten Möbel mitnehmen konnte. Sehen kann Frau Pfister fast nichts mehr, der Übertritt in eine grosse Institution wäre für sie nicht mehr zu bewerkstelligen gewesen. Sieben Personen leben in der Pflegewohnung Am Bach. Die jüngste ist 69, die älteste 99. Etliche BewohnerInnen sind verwirrt, andere schwer krank. Doch von Defizit und Krankheit ist erstaunlich wenig zu spüren. Das hat mit der "Normalität" in der Pflegewohnung zu tun: Das sechsköpfige Pflege- und Betreuungsteam, geführt von Wohnungsleiterin und Pflegefachfrau Elisabeth Güntensperger, versucht den Tag so zu gestalten, wie er in einer gewöhnlichen Wohnung ablaufen würde. Und dabei so gut wie möglich auf die Gewohnheiten und Eigenarten der Betagten Rücksicht zu nehmen. Das braucht neben viel Hausarbeit und Pflege auch eine gute Portion Einfühlungsvermögen, Flexibilität und Zeit. Viel Zeit. Eine hoch betagte Frau bis zehn, elf Uhr ausschlafen zu lassen, wäre zum Beispiel in einer grossen Institution kaum möglich. Die alte Dame lohnt es jeweils mit einem strahlenden Lächeln. Gleichzeitig muss das Team aber auch dafür sorgen, dass sich die BewohnerInnen nicht zu sehr zurückziehen und so ihre Fähigkeiten vorzeitig verlieren. Das sind tägliche, noch kaum wissenschaftlich untersuchte Gratwanderungen. Und sie gelingen, wie die Pflegewohnung Am Bach zeigt. Für Liset Lämmler, Geschäftsleiterin der Stiftung Alterswohnen in Albisrieden, ist die Pflegewohnung Am Bach auch wegen ihrer Einbettung in die Baugenossenschaft Sonnengarten ein Glücksfall. Das imposante vierstöckige Gebäude am Westrand von Zürich, in dessen Erdgeschoss die Wohnung liegt, war 1977 als Alterswohnhaus erstellt worden. Mit der Zeit erwiesen sich die vielen Einzimmerwohnungen jedoch als zu klein, und die Baugenossenschaft legte sie 1998 zu Familienwohnungen zusammen. Im Parterre entstand so eine Grosswohnung - für die Stiftung Alterswohnen in Albisrieden eine willkommene Gelegenheit, dort eine Pflegewohnung einzurichten. Vorausgesetzt, man konnte sieben Plätze mit eigener Waschküche, zwei Duschen und drei WC's realisieren. "Es war", erinnert sich Liset Lämmler, "eine optimale Zusammenarbeit, weil wir die Baugenossenschaft schon von einer andern Pflegewohnung her kannten und wussten, dass man unsere Anliegen aufnimmt." Weitere Vorteile sind die Gemeinnützigkeit und die Beständigkeit einer Baugenossenschaft, denn mit privaten Hausbesitzern machte die Stiftung schon leidvolle Erfahrungen. "Bei jedem Verwaltungswechsel", sagt Liset Lämmler, "mussten wir wieder bei Null anfangen und als Schlussbouquet wurde das Haus dann verkauft." Für die Baugenossenschaft ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung interessant, weil es immer wieder betagte Genossenschaftsmitglieder gibt, die einen Pflegeplatz benötigen. Wie ist die Stiftung in die Baugenossenschaft eingebettet? "Wie normale Mieter", sagt Liegenschaftenverwalter Bernhard Züger, "die Stiftung zeichnete pro Wohnung einen Genossenschaftsanteilschein." Die Umwandlung der Grosswohnung in eine Pflegewohnung mit drei Einer- und zwei Zweierzimmern war nicht ganz einfach. Um die Wohnung rollstuhlgängig zu machen, entfernte man alle Schwellen, verbreiterte den Korridor und erweiterte die Türen auf 90 Zentimeter. Auf eine Badewanne verzichtete man, weil diese, wie Erfahrungen aus anderen Pflegewohnungen zeigen, wenig benutzt werden. Im Gegensatz zu einem Pflegeheim teilen sich hier zwei bis drei Bewohnerinnen in eine Dusche. Auch deshalb kommt ein Platz in der Pflegewohnung wesentlich günstiger als in einem Heim mit grosser Infrastruktur. Zwei Dinge findet Liset Lämmler zentral: "Pflegewohnungen müssen unbedingt im Parterre gelegen sein und man sollte die Pläne so früh wie möglich der Bewilligungsbehörde vorlegen." Das enge Zusammenleben in einer Pflegewohnung eignet sich indes nicht für alle Betagten. Um den BewohnerInnen möglichst viele Aussenkontakte zu bieten, begleiten sie die Betreuerinnen zum Coiffeur, in die Pedicure oder zum Posten. Zwei Mal pro Woche kommt ein Besuchsdienst vorbei. Stolz ist Liset Lämmler auf die Tanznachmittage, welche die Stiftung vier Mal pro Jahr mit der Kirchgemeinde organisiert. Diese Anlässe haben eine gute Ausstrahlung aufs Quartier. "Das letzte Mal", freut sich Lämmler, "kamen 90 Leute. Und es geht bestens, auch mit sehr dementen BewohnerInnen und solchen im Rollstuhl." Inzwischen ist es elf Uhr. Aus der Küche duftet es anmächelig: Die Betreuerinnen rüsten Lauch und Kartoffeln für den Papet vaudois. Manche BewohnerInnen helfen gerne mit. Aber ihre Kräfte nehmen ab. Und manchmal, sagt die 83jährige Frau Keller, möchten sie halt "eifach nur e chli sii". Geschäftsleiterin Liset Lämmler versteht das gut. In den Pflegewohnungen der Stiftung lässt man sich Zeit. So lange, bis die Lebensflamme der BewohnerInnen erloschen ist. Obenstehenden Artikel können Sie hier im PDF-Format ausdrucken: Umsorgt - bis die Lebensflamme erlischt Age Report 2004 Weitere Informationen zur Age Stiftung finden sich unter |
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